Der Polo G40

Der Polo G40: Volumenmodell auf Basis Polo 2F

Der Polo G40: Mai 1987 – August 1994
Original POLO intern-Artikel Ausgabe

Einen Wagen für die Nische in der Nische zu bauen, war noch nie die Stärke des VW-Werkes. Um so mutiger die damalige Entscheidung, einen Kleinwagen wie den Polo in der hauseigenen Forschungsabteilung auf 150 PS aufzupäppeln zu wollen. Die Techniker der VW-Zentrale schoben den Wünschen des Vertriebes jedoch einen Riegel vor und wiesen von Anfang an darauf hin, daß ein dermaßen starker Polomotor sowohl Fahrwerk als auch Getriebe der Serienfertigung hoffnungslos überfordern würde. Die Techniker taten ihr Möglichstes und das Ergebnis ist hinreichend bekannt: die erste Sonderserie des G40 mit ihrer Auflage von 500 Stück.

Fast müßig zu erwähnen, daß die Ingenieure, obwohl sie ihr Bestes gaben, doch ein Fahrzeug geschaffen hatten, das damals wie heute getriebe- und fahrwerksseitig wenig Reserven zu bieten hat. Auf die Frage, wie es zu der seinerzeit ungewöhnlichen Bereifung mit 5½ x 13 Felgen und 175/60 13H Reifen kam, gibt Volkswagen die Antwort, daß auch für diese, damals einzige für derart hohe Beanspruchung zur Verfügung stehende Größe, noch eine Sondergenehmigung beantragt werden mußte.

Zumal der Polo ja nicht immer so „lahm“ war, wie er in der Serie geschaffen wurde. Ohne Kat, mit 1.4 Liter Motor und 45 mm breitem Verdränger geplant, das wäre ein Polo gewesen. So kam er gottseidank – oder leider – nie auf den Markt. Nicht auszudenken wo heute die Versicherungsprämien lägen, hätte jeder der ausgelieferten Polo eine derart hohe Leistung gehabt. Die Unfälle zahlreicher Fahrerinnen und Fahrer sprechen die deutliche Sprache, daß auch mit nur 113-115 PS für manche die Leistung zu hoch angestetzt ist.

Letzlich haben wir es dem serienmäßigen Getriebe zu verdanken, daß der Polo heute nur mit 83 kW antritt. Volkswagen machte eben dieses Getriebe für die Einschränkung in der Leistung verantwortlich, für nur 150 Nm entworfen, ist es schon mit der heute serienmäßigen Leistung des G40 an seiner Grenze. Die Neuentwicklung eines Getriebes für nur ein Modell kam aus Kostengründen nie in Frage. Immerhin bleiben dem Getriebe noch zirka 5 Nm Spielraum bis von Langlebigkeit keine Rede mehr sein kann. Ungeachtet dieser Tatsache wird vielerorts noch immer getunt, als gäbe es kein Morgen. Schade nur, daß sich dann nach manch kostengünstiger Leistungssteigerung das Getriebe so schnell verabschiedet.

Nun hat aber das Topmodell der Poloreihe nicht nur ausgereizte Technik, sondern auch ausgezeichnete Qualitäten zu bieten. So können sich die G40 Fahrer/ -innen schon glücklich schätzen, daß sie ihr Modell fahrwerksseitíg immerhin mit Uniballgelenken ausgestattet ist. De facto kann der G40 also einzig legitimer Nachfolger des legendären VW-Golf GTI angesehen werden. Mit zunehmender Reife des GTI’s schwanden die Eigenschaften, die ihn zur Legende werden ließen: schwerfällig und gezähmt ist er heute fast ein Pampersbomber. Wäre nicht noch ein Hauch von Sportlichkeit in Form der guten Sitze geblieben, wer weiß …

Zurück zum G40: Dieses Modell, schon vor dem Erscheinen in erster Auflage vergriffen, hatte und hat doch eine relativ kleine Zielgruppe, die auch bis zuletzt bereit war, für einen Kleinwagen den Preis eines gutausgestatteten Golf auf den Tisch zu legen. Die überwiegend vergnügungssüchtige Klientel, sowohl elitär in ihrer Spartanität als auch verantwortungsbewußt in der Wahl ihres Fahrzeuges, stellte nun schon bald fest, daß Sie mit den Fahrern der GTI auf eine Stufe gestellt wurden. Die Fachpresse verglich auch prompt den G40 mit dem GTI. Natürlich ging der Polo aus diesen Tests immer wieder mit den besseren Fahrleistungen heraus, mußte sich jedoch gefallen lassen, Seitenhiebe auf das Platzangebot, den Geradeauslauf und den Komfort hinzunehmen. Nun macht das den heutigen G40 Fahrerinnen und Fahrern nicht mehr viel aus. Das Gros von ihnen buchstabiert Komfort schon seit geraumer Zeit sinngemäß mit folgenden Buchstaben: „kommt vor“ Im Hinblick auf den Polo III schmerzt die Aussicht auf ein zwar sechzehnventiliges, aber deutlich schwereres und langsameres Vehikel, das die klassischen Tugenden des sportlichen Kleinwagens in unsere heutige Zeit hineininterpretiert. Wohldem, der noch ein „Original“ hat.

Weiterführende Links
>> Polo G40: Technische Daten
>> Polo G40: Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 218,4 km/h auf Weltrekordfahrt.

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