Nebel, Regen, Matsch und Schlamm – die Herausforderungen der Rallye Großbritannien

Nebel, Regen, Matsch und Schlamm – die Herausforderungen der Rallye Großbritannien

Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila (FIN/FIN), Volkswagen Polo R WRC | Foto: Kräling

Zwei Wochen früher im Kalender als üblich bot die Rallye Großbritannien in Wales Gewohntes und Ungewohntes. Gewohnt: morgendlicher Nebel und matschige bis schlammige Schotter-Strecken. Ungewohnt: wenig Regen, teils Sonnenschein und Temperaturen oberhalb der 10-Grad-Celsius-Marke. Die Bedingungen auf den insgesamt 22 Wertungsprüfungen waren Wales-typisch extrem rutschig und anspruchsvoll. Ogier/Ingrassia übernahmen von der ersten Prüfung an die Führung und nutzten dabei ihren leichten Startvorteil, die Routen als Führende der Rallye-WM eröffnen zu dürfen. Geschenkt wurde ihnen der Sieg allerdings nicht: Zu ihren härtesten Konkurrenten entwickelten sich Ott Tänak/Raigo Mōlder (EST/EST, M-Sport-Ford). Das Duell der Michelin-Wettbewerbsreifen, die Volkswagen einsetzt, versus Pneus von D-Mack ging damit erneut an Michelin. Die französische Reifenmarke feierte damit bereits ihren 301. Rallye-WM-Erfolg.

Zeitverluste für Mikkelsen/Jæger und Latvala/Anttila, starke Aufholjagden

Deutliche Zeitverluste mussten am Freitag dagegen Andreas Mikkelsen/Anders Jæger und Jari-Matti Latvala/Mikka Anttila aufgrund von beschädigten Antriebswellen hinnehmen. Die Analyse der Volkswagen Ingenieure führte noch am gleichen Abend zur Lösung: Auslöser war eine neue Dichtung, die bei Testfahrten vor der Rallye erfolgreich erprobt wurde, allerdings bei den speziellen Bedingungen in Wales nicht funktionierte. Auf den verbliebenen 16 Wertungsprüfungen zeigten die Polo R WRC ihre gewohnte Zuverlässigkeit und Mikkelsen/Jæger sowie Latvala/Anttila ihre gewohnte Stärke. Latvala/Anttila sicherten mit einer Aufholjagd, bei der sie über eine Minute auf ihre direkte Konkurrenz gutmachten und sie anschließend hinter sich ließen, mit Platz sechs in der Herstellerwertung den Gewinn des WM-Titels für Volkswagen ab.

50. Powerstage mit dem Polo R WRC – zwei Punkte für Mikkelsen, eine Bilanz

Bei der Rallye Großbritannien absolvierte Volkswagen mit dem Polo R WRC die insgesamt 50. Powerstage. Andreas Mikkelsen und Anders Jæger sicherten sich zwei Extra-Zähler für Platz zwei auf der abschließenden Wertungsprüfung der Rallye. Es war das 91. Mal, dass ein Volkswagen Fahrer zusätzliche Punkte für die Fahrer- und Beifahrer-Wertung sicherte. 38 Mal ging sogar die Bestzeit nach Wolfsburg. 194 Punkte gingen seit 2013 damit an Volkswagen, gleichbedeutend mit knapp acht Siegen.

#ShowDownUnder – Vierkampf in Australien um den „Vizetitel“ in der Fahrerwertung

Einen spannenden Abschluss erwartet die FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) beim Finale in Australien. In „Down Under“ (17.–20. November) haben noch vier Fahrer/Beifahrer Duos Chancen, Platz zwei in der Gesamtwertung zu sichern, darunter das Volkswagen Duo Andreas Mikkelsen/Anders Jæger. Die Norweger liegen nach der Rallye Großbritannien 14 Zähler hinter Thierry Neuville/Nicolas Gilsoul (Hyundai) auf Rang drei der WM. Maximal 28 sind bei einer WM-Rallye zu vergeben.

 

Und da war dann noch …

… „Bertie the Beetle“. Bob Beales, Mark Murphy, Mark Walters und Co. setzen einen 58 Jahre alten Volkswagen Klassiker in der nationalen Rallye ein, die zeitgleich mit dem zwölften WM-Lauf in Großbritannien ausgetragen wird. Am Samstagabend hatte „Bertie“, wie der Käfer von seinem Team liebevoll genannt wird, allerdings ein kleines technisches Problem. Ein Kugelgelenk der Spurstange war gebrochen. Ein passendes Ersatzteil hatte Volkswagen Motorsport für das „Team Colorado“ zwar nicht dabei, half aber gern mit Ingenieurswissen durch Gerad Jan de Jongh und Richard Browne aus, die im Hauptberuf als Renningenieure von Sébastien Ogier und Andreas Mikkelsen fungieren, sowie mit passendem Werkzeug. Am Sonntag war „Bertie“ dann wieder bei der Rallye Großbritannien am Start.

FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC), mehrfache Hersteller-Weltmeister

Lancia, zehn WM-Titel (1974–1976, 1983, 1987–1992)
Citroën, acht WM-Titel (2003–2005, 2008–2012)
Peugeot, fünf WM-Titel (1985, 1986, 2000–2002)
Volkswagen, vier WM-Titel* (2013–2016)
Fiat, drei WM-Titel (1977, 1978, 1980)
Ford, drei WM-Titel (1979, 2006, 2007)
Subaru, drei WM-Titel (1995–1997)
Toyota, drei WM-Titel (1993, 1994, 1999)
Audi, zwei WM-Titel (1982, 1984)

*Vorbehaltlich der Bestätigung durch die FIA.

FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC), Rallye Großbritannien – Endergebnis*

01. Sébastien Ogier/Julien Ingrassia (F/F), Volkswagen, 3:14.30,2 Std.
02. Ott Tänak/Raigo Mõlder (EST/EST), Ford, + 10,2 Sek.
03. Thierry Neuville/Nicolas Gilsoul (B/B), Hyundai, + 1.35,4 Min.
04. Hayden Paddon/John Kennard (NZ/NZ), Hyundai, + 1.54,9 Min.
05. Kris Meeke/Paul Nagle (GB/IRL), Citroën, + 2.35,2 Min.
06. Dani Sordo/Marc Martí (E/E), Hyundai, + 4.02,6 Min.
07. Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila (FIN/FIN), Volkswagen, + 4.28,3 Min.
08. Mads Østberg/Ola Fløene (N/N), Ford, + 4.38,3 Min.
09. Stéphane Lefebvre/Gilles de Turckheim (F/F), Citroën, + 7.12,2 Min.
10. Eric Camilli/Benjamin Veillas (F/F), Ford, + 8.19,3 Min.

12. Andreas Mikkelsen/Anders Jæger (N/N), Volkswagen, + 9.44,0 Min.

FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC), Rallye Großbritannien – Ergebnis Powerstage

01. Ott Tänak/Raigo Mõlder (EST/EST), Ford    5.19,0 Min.
02. Andreas Mikkelsen/Anders Jæger (N/N), Volkswagen    + 1,4 Sek.
03. Thierry Neuville/Nicolas Gilsoul (B/B), Hyundai    + 4,5 Sek.

FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC), Punktestände*

Fahrer-Wertung
1. Sébastien Ogier, 247 Punkte; 2. Thierry Neuville, 143; 3. Andreas Mikkelsen, 129; 4. Hayden Paddon, 126; 5. Dani Sordo, 119; 6. Jari-Matti Latvala, 110; 7. Mads Østberg, 94; 8. Ott Tänak, 82; 9. Kris Meeke, 64; 10. Craig Breen, 36

Beifahrer-Wertung
1. Julien Ingrassia, 247 Punkte; 2. Nicolas Gilsoul, 143; 3. Anders Jæger, 129; 4. John Kennard, 126; 5. Marc Martí, 119; 6. Miikka Anttila, 110; 7. Ola Fløene, 94; 8. Raigo Mõlder, 82; 9. Paul Nagle, 64; 10. Scott Martin, 36

Hersteller-Wertung
1. Volkswagen Motorsport, 355 Punkte; 2. Hyundai Motorsport, 285; 3. M-Sport, 154; 4. Volkswagen Motorsport II, 138; 5. Hyundai Motorsport N, 136; 6. DMACK, 92; 7. Jipocar Czech National Team, 18; 8. Yazeed Racing, 4

* Vorläufig.

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