Kein Kuscheltier

Es gibt in jeder Szene eine Menge Fahrzeuge, die auch im hohen Alter noch da stehen wie neu. Oder auch solche, die unter der Haube weitaus mehr Power haben als sie äußerlich erwarten lassen. Und dann gibt es schließlich auch noch die, welche Ihr Auto in richtigen „Eideidei-Farben“ lackieren (kommt aus der Babysprache und heißt soviel wie „ach wie niedlich“). Frank Stenzel hat es geschafft, all diese Fahrzeugtypen in dreieinhalb Jahren Bauzeit in einem Fahrzeug zu vereinen.

Nach dem Erwerb des Polo 1985, bedurfte es ziemlich genau sieben Jahre Fahrzeit und sechs Unfälle, bis Frank schließlich auf dem Polo Treffen in Wermelskirchen 1992 endgültig vom Polowahnsinn gepackt wurde. „Ich glaub´ ich muß jetzt auch an meinem Auto ´mal was machen“ war gerade noch zu vernehmen, als sich seine Werkstattür für 3 ½ Jahre hinter ihm verschlossen. Seinem zu dem Zeitpunkt schon 13 Jahre alten Polo, sollte die Verwirklichung all seiner bisherigen Autoträume widerfahren. Die Erfahrungen die er bei den Beseitigungen seiner sechs Unfallschäden gemacht hat sollten nun Früchte tragen.

Als erstes mußte ein Motor her bei dem so richtig die „Kuh fliegt“. Razfaz wurde ein G-Motor samt Tank und Getriebe gekauft. Die Karosserie wurde selbstverständlich komplett sandgestrahlt. Denn Voraussetzung für ein langes Autoleben ist eine solide Grundsubstanz. Als Frank mit allen Karosseriearbeiten und Umbauten fertig war, sollte natürlich erst einmal das Herz implantiert werden. Hierbei mußte er leidvoll erfahren, daß nicht jeder G-Laderpilot behutsam mit seinem Motor umgeht. Ventile krumm, Kolben am A…. und der G-Lader war auch leicht zerbröselt. Dies warf leider nicht nur seinen Zeitplan völlig aus der Bahn, nein, auch sein Budget mußte zunächst wieder aufgestockt werden. Unzählige 1.000 Markscheine und viele Monate später, war aber dann doch wieder ein breites Lächeln auf Franks Gesicht zu erkennen. Und ich glaube der Gedanke an 152 Pferde, die an 700 Kilogramm Karosserie zerren, hätte auch Euch zum Lächeln gebracht. Selbstverständlich hat Frank auch daran gedacht, was 152 Pferdestärken aus einer unvorbereiteten Kleinwagenkarosse machen würden.

Also wurden kurzer Hand alle Achsteile des G40 verbaut, sowie eine 4-Scheiben-Bremsanlage und einem kompletter Alu-Käfig, sowie die schon obligatorischen Domstreben. So gerüstet traut sich Frank nun auch mal in 6,5 Sekunden auf 100 Stundenkilometer zu fliegen, ohne gleich feuchte Hände zu bekommen.

Jetzt fehlte eigentlich nur noch einer seiner Träume, und allen, denen er in den Jahren zuvor davon erzählt hat, haben in für verrückt erklärt. Ein selbst entworfenes Armaturenbrett aus reinem Alu. Wie gut, daß ihm gerade da ein alter Bekannter einfällt, der auch noch ganz zufällig eine computergesteuerte Fräsmaschine hat. Ein kurzes Gespräch und schon flog das Zentimetermaßband durch das Auto und der Bleistift über das Papier. Eine grobe Vorstellung hatte er sich vor Jahren bei einem 34’er Ford in einer Chrom & Flammen geholt. Und das Ergebnis nach seinem Entwurf ist wirklich ein optisches „Wow-Erlebnis“!

Daß der Rest der Innenkarosse mit feinstem Vorwerk-Teppich passend zum Lack ausgelegt ist, könnte man eigentlich schon als selbstverständlich erachten. Wenn da nur nicht so eine Wahnsinns Arbeit dahinter stecken würde. Aber zu Glück gibt es in der gesamten VW-Szene eine große Anzahl an Leuten, die so ein Fahrzeug zu schätzen und die darin steckende Arbeit zu würdigen wissen. Denn nur so ist es möglich, daß ein Polo, der am 23.05.96 ins Leben zurückgeholt wurde, bis Oktober auf neun Veranstaltungen (darunter auch das Forum, Ochsenhausen und VW Mania/Belgien), vierzehnmal Platz Eins und einmal Platz Zwei erreichen konnte. Und ich glaube kein Prophet sein zu müssen, wenn ich behaupte, daß Frank seine 55.000 Mark nicht in den berühmten Sand gesetzte hat, sondern damit den Beginn einer sehr erfolgreichen Autokariere gestartet hat.

Diese Fahrzeugvorstellung ist bereits in POLO intern Ausgabe Nr. 18 (Januar 1997) erschienen.

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